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Pilze und Klimawandel: Fast ein Drittel der untersuchten Arten vom Aussterben bedroht

Eine neue Studie zeigt: Fast 1 von 3 untersuchten Pilzarten ist durch Klimawandel und Abholzung bedroht. Wir erklären, was das für unsere Wälder bedeutet.

Der Klimawandel hinterlässt Spuren – auch unter der Erde. Pilze, die heimlichen Herrscher unserer Wälder, geraten zunehmend unter Druck. Eine aktuelle Auswertung kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Fast jede dritte untersuchte Pilzart ist vom Aussterben bedroht. Was bedeutet das für Ökosysteme, für unsere Wälder und für Pilzsammler? Ein Überblick.

Was die neue Studie über Pilze und Klimawandel sagt

Die Nachricht machte in den letzten Tagen die Runde: „Nearly 1 in 3 Studied Fungi Threatened With Extinction From Deforestation, Climate Change“ – so der Titel einer Analyse, die von Earth.Org aufgegriffen wurde. Die zugrunde liegende Forschung untersuchte zahlreiche Pilzarten weltweit und kam zu dem Schluss, dass etwa 30 Prozent der erfassten Arten durch die Kombination aus Abholzung und Klimaveränderungen in ihrem Bestand gefährdet sind. Besonders betroffen sind Arten, die auf alte, ungestörte Wälder angewiesen sind – also genau jene Lebensräume, die durch menschliche Eingriffe und zunehmende Trockenheit schrumpfen. Die Zahlen sind ernüchternd, aber sie zeigen auch: Pilze und Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden. Wer den Zustand unserer Wälder verstehen will, muss den Boden und seine Bewohner betrachten.

Warum Pilze so wichtig fürs Klima sind

Pilze sind weit mehr als nur Sammelobjekte. Sie bilden mit Bäumen symbiotische Netzwerke – die sogenannten Mykorrhiza-Netzwerke. Über diese unterirdischen Verbindungen tauschen Bäume Nährstoffe und Wasser aus, warnen sich gegenseitig vor Schädlingen und speichern Kohlenstoff im Boden. Wenn Pilzarten verschwinden, bricht dieses Netzwerk zusammen. Die Folge: Wälder werden anfälliger für Trockenstress, Schädlinge und Stürme. Zudem sind Pilze maßgeblich an der Zersetzung organischen Materials beteiligt. Sie verwandeln abgestorbene Pflanzenteile in Humus und setzen dabei Nährstoffe frei, die wiederum dem Wald zugutekommen. Ein Verlust an Pilzvielfalt schwächt also die gesamte Waldökologie – und damit auch die Fähigkeit der Wälder, CO₂ zu binden. In Zeiten des Klimawandels ist das eine doppelte Belastung.

Verbreitungsverschiebungen und Phänologie: Pilze reagieren auf den Wandel

Der Klimawandel verändert nicht nur die Menge, sondern auch das Timing. Viele Pilzarten fruktifizieren heute früher im Jahr als noch vor einigen Jahrzehnten – ein klassisches Phänomen der Phänologie. Gleichzeitig verschieben sich die Verbreitungsgebiete: Wärmeliebende Arten wandern nach Norden oder in höhere Lagen, während kälteliebende Arten zurückgedrängt werden. In Mitteleuropa beobachten wir, dass Dürreperioden im Sommer die Fruchtkörperbildung vieler Speisepilze stark reduziert, während Starkregenereignisse im Herbst zu kurzen, intensiven Schwemmen führen. Diese Schwankungen machen die Planung für Sammler:innen schwieriger – und sie setzen die Pilze selbst unter Stress. Wer die Entwicklung verfolgen möchte, findet auf der FungiFind Pilzkarte aktuelle Funddaten und kann beobachten, wie sich die Saison lokal verschiebt. Auch der FungiFind Blog greift regelmäßig Themen rund um Pilze und Klimawandel auf.

Was bedeutet das für unsere Wälder und für Pilzsammler?

Die Bedrohung der Pilze ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Wenn Mykorrhiza-Pilze ausfallen, leiden auch die Bäume – sie bekommen weniger Wasser und Nährstoffe, werden anfälliger für Krankheiten. Forstwirtschaftliche Maßnahmen müssen daher zunehmend auf den Erhalt der Bodenpilze achten. Für Pilzsammler heißt das: bewusster sammeln, Rote-Liste-Arten schonen und auf nachhaltige Sammelpraktiken achten. Wer bestimmte Arten sucht, kann sich im FungiFind Artenlexikon über Gefährdungsstatus und Erkennungsmerkmale informieren – etwa beim Edel-Reizker (Lactarius deliciosus), einem Mykorrhiza-Pilz, der vor allem in Kiefernwäldern vorkommt. Gerade solche Speisepilze sind auf intakte Waldböden angewiesen. Ein genauer Blick lohnt sich: Viele Pilze sind ohne Expertenwissen schwer zu bestimmen; verlasst euch daher nie auf bloße Vermutungen. Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine fachkundige Pilzberatung vor Ort.

Was wir jetzt tun können

Die Studie zeigt: Es ist höchste Zeit zu handeln. Der Schutz von Wäldern ist der beste Klimaschutz – und damit auch der beste Schutz für Pilze. Dazu gehört, alte Wälder zu erhalten, auf Kahlschläge zu verzichten und naturnahe Bewirtschaftung zu fördern. Jeder kann einen Beitrag leisten: regionale Pilze kaufen oder selbst sammeln, aber immer mit Respekt vor der Natur. Und wer sich für die Zusammenhänge interessiert, findet in der FungiFind Pilzkarte ein Werkzeug, um die eigene Region zu beobachten. Der Wetter-Score in der App hilft einzuschätzen, wann die Bedingungen für Pilzwachstum günstig sind – wissenschaftlich fundiert und lokal angepasst. So wird aus dem Sammeln ein kleines Citizen-Science-Projekt: Je mehr Daten wir teilen, desto besser verstehen wir, wie Pilze auf den Klimawandel reagieren.

Fazit: Pilze und Klimawandel – ein Thema, das uns alle angeht

Die Nachricht von der Bedrohung fast eines Drittels der untersuchten Pilzarten ist ein Weckruf. Pilze sind nicht nur kulinarisch wertvoll, sie sind systemrelevant für unsere Wälder. Der Klimawandel verändert ihre Lebensräume, ihre Zeiten und ihre Netzwerke. Wir müssen diese Veränderungen ernst nehmen – und handeln. Die gute Nachricht: Noch ist es nicht zu spät. Wer Wälder schützt, schützt Pilze. Und wer Pilze schützt, schützt das Klima. Bleibt neugierig, beobachtet die Natur und teilt eure Funde – am besten mit der FungiFind-Community.

Quellen & weiterführende Links